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FOCUS Ausgabe 15-2020
03.04.2020
Freitags ab 18 Uhr
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Wirtschaftshistoriker Harold James erwartet „Entglobalisierung“

Berlin. Der britische Wirtschaftshistoriker Harold James erwartet langfristige Verwerfungen durch die CoVid19-Pandemie. Dem Nachrichtenmagazin FOCUS sagte James: „Die Corona-Krise verstärkt eine Entwicklung, die wir seit der internationalen Finanzmarktkrise 2008 erleben. Seitdem wächst das Misstrauen in die Globalisierung. Zu Beginn der Finanzkrise war die Zusammenarbeit zwischen den Staaten ziemlich gut. Damals wurde das G20-Format ins Leben gerufen. Das hielt aber nicht lange. Das Misstrauen gegenüber der Globalisierung wurde immer stärker und gipfelte in der Wahl von Donald Trump und dem Brexit.“

James lehrt an der US-Universität Princeton und hat die Große Depression aufgearbeitet. „Die Globalisierung hat immer wieder Rückschläge erlebt. Solche Phasen sind ganz typisch. Die 1920er und 1930er Jahre waren auch eine Ära der Entglobalisierung“, sagte der Historiker.

KVen zahlen Ärzten bis zu 120 Euro je Extrastunde in Corona-Testzentren

Berlin. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) vergüten Ärzten, die außerhalb der Sprechzeiten in Testzentren Coronaabstriche durchführen, jede Stunde mit zum Teil mehr als 100 Euro. Wie das Nachrichtenmagazin FOCUS berichtet, zahlt die KV Niedersachsen aktuell 120 Euro pro Stunde. Bis zum 25. März erhielten Ärzte sogar 200 Euro für jede Stunde in einem Testzentrum. In Bayern zahlt die KV ebenfalls 120 Euro pro Stunde, in Hessen und im Bereich der KV Nordrhein gibt es 100 Euro pro Stunde. Die KV Baden-Württemberg garantiert ihren Ärzten einen Mindestumsatz von 130 Euro pro Stunde. Die niedersächsische SPD-Abgeordnete und Ärztin Thela Wernstedt kritisierte im FOCUS die Zahlungen der KV. Angesichts der Tatsache, dass anderes medizinisches Fachpersonal für vergleichbare Arbeit deutlich weniger bekomme, sei dies "schlicht ungerecht", sagte Wernstedt. Sie forderte für Katastrophenfälle ein staatliches Durchgriffsrecht auf medizinisches Fachpersonal: "Eine Diskussion über Stundensätze würde sich so erübrigen”. Der Mehraufwand sei mit den tariflichen Bedingungen des Landes zu vergüten.

Kirchen droht Steuereinbruch um mehr als eine halbe Milliarde Euro

Berlin. Den beiden großen Kirchen in Deutschland drohen wegen der Corona-Pandemie erhebliche Einnahmeausfälle. Experten rechnen in diesem Jahr mit einem Rückgang im hohen dreistelligen Millionenbereich, berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS. Grund dafür sind vor allem die absehbaren Einbußen bei der Lohn- und Einkommensteuer, an der sich die Kirchensteuer bemisst. Nach Schätzungen des Ökonomen Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln würden die Steuereinnahmen der Kirchen in diesem Jahr um etwa 500 Millionen Euro einbrechen, falls die Rezession ähnlich wie in der Finanzkrise 2009 verläuft. Damals ging das Kirchensteueraufkommen wegen Kurzarbeit und Entlassungen um 394 Millionen Euro zurück. „Die sich abzeichnende schwere Rezession wird auch die Kirchen finanziell hart treffen“, sagte Hentze dem FOCUS. Falls die deutschen Unternehmen das Kurzarbeitergeld stärker beanspruchen als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, ist nach Ansicht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon auch ein noch größerer Rückgang bei der Kirchensteuer möglich. Die Kirchen zeigen sich über der Entwicklung besorgt. „Es ist richtig, dass infolge des zu erwartenden wirtschaftlichen Einbruchs mit einem Rückgang des Kirchensteueraufkommens gerechnet werden muss“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz dem FOCUS. Wie hoch dieser sein wird, sei aber noch nicht einschätzbar. Aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hieß es, dass die Einnahmesituation in diesem Jahr voraussichtlich „erheblich verschlechtert sein wird“. Die Kirchensteuer ist die Haupteinnahmequelle der katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Sie beträgt je nach Bundesland acht bis neun Prozent der Einkommenssteuer. Im Jahr 2018 nahmen die Kirchen insgesamt 12,4 Milliarden Euro durch die Kirchensteuer ein. Davon entfielen 6,6 Milliarden auf die katholische und 5,8 Milliarden auf die evangelische Kirche. Aus den Einnahmen werden Pfarrgemeinden, kirchliche Kitas und Krankenhäuser finanziert.

Bauernpräsident sieht „Versorgungslücken“ bei Obst und Gemüse kommen – Rukwied: „Verknappung wird auch Auswirkungen auf den Preis haben“

Berlin. Bauernpräsident Joachim Rukwied rechnet damit, dass die Ernte bei Obst und Gemüse in diesem Jahr wegen ausbleibender Erntehelfer deutlich geringer ausfällt. „Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist momentan nicht gefährdet,“ sagte Rukwied dem Nachrichtemagazin FOCUS. „Es kann jedoch durchaus bei verschiedenen Kulturen im Obst und Gemüsebereich zu Versorgungslücken kommen. Diese Verknappung wird auch Auswirkungen auf den Preis haben.“ Laut Bundeslandwirtschaftsministerium ist im vergangenen Monat mehr als ein Drittel der üblicherweise 25.0000 ausländischen Erntehelfer nicht angereist oder bereits wieder abgereist. Das Bundesinnenministerium hatte in der vergangenen Woche die Einreisesperren auf ausländische Saisonarbeiter ausgeweitet. „Das Einreiseverbot für die Saisonarbeiter trifft unsere Betriebe in der jetzigen Phase sehr hart“, sagte Rukwied dem FOCUS. „Der Einreisestopp muss so kurz wie möglich gehalten werden.“ Am Donnerstag hatten sich Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf eine Lockerung der Einreisebestimmungen geeinigt.

Söder steigt in der Wählergunst auf Allzeithoch – Scholz mit Abstand beliebtester SPD-Politiker

Berlin. Der Aufstieg des bayerischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der bundesweiten Wählergunst geht ungebrochen weiter. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage des Instituts Insa. Danach erreicht Söder in dieser Woche einen Zustimmungswert von 161 Punkten in der Bevölkerung (+5 zur Vorwoche auf einer Skala bis 300 Punkten). Das ist der höchste Zustimmungswert, der seit Beginn der Erhebungen im Januar 2019 jemals für einen deutschen Politiker gemessen wurde. Söder steht damit unverändert zur Vorwoche an der Spitze einer Rangliste von 22 deutschen Spitzenpolitikern, gefolgt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit 152 Punkten (plus 14 Punkte) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit 139 Punkten (plus acht Punkte). Angesehenster Sozialdemokrat ist Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der mit 135 (plus 14 Punkte) unverändert auf Platz vier liegt.

Das komplette FOCUS-Ranking in der Übersicht (in Klammern die Veränderung zur Vorwoche):

1 (=) Markus Söder 161 (+5) 2 (=) Angela Merkel 152 (+14) 3 (=) Jens Spahn 139 (+8) 4 (=) Olaf Scholz 135 (+14) 5 (=) Armin Laschet 122 (+7) 6 (↑7) Robert Habeck 118 (+8) 7 (↓6) Sahra Wagenknecht 114 (+/-0) 8 (=) Friedrich Merz 110 (+3) 9 (=) Annalena Baerbock 109 (+8) 10 (=) Norbert Röttgen 102 (+5) 11 (↑12) Christian Lindner 98 (+6) 12 (↓11) Wolfgang Kubicki 97 (+4) 13 (↑14) Lars Klingbeil 94 (+8) 14 (↓13) Kevin Kühnert 94 (+4) 15 (=) Norbert Walter-Borjans 87 (+6) 16 (=) Annegret Kramp-Karrenbauer 86 (+5) 17 (↑18) Paul Ziemiak 86 (+5) 18 (↓17) Dietmar Bartsch 83 (+3) 19 (↑20) Linda Teuteberg 82 (+9) 20 (↓19) Saskia Esken 80 (+7) 21 (=) Alice Weidel 53 (+/-0) 22 (=) Alexander Gauland 51 (+5)

Für FOCUS befragte Insa zwischen dem 27. und 30. März 2020 insgesamt 2061 Wahlberechtigte. Die Frage lautete: „Inwiefern vertreten die folgenden Politikerinnen und Politiker Ihre Interessen?“.

Fluglinie Thomas Cook Aviation ist pleite

Berlin. In der deutschen Luftfahrtbranche gibt es die nächste Firmenpleite. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins FOCUS hat die Fluglinie Thomas Cook Aviation mit Sitz im hessischen Oberursel Insolvenz angemeldet. Die Fluggesellschaft mit zuletzt sechs Maschinen der Typen Airbus A 320 und A 321 flog bisher im Auftrag des deutschen Ferienfliegers Condor vor allem Ziele im Mittelmeer und Europa an. Wie FOCUS schreibt, erklärte der Chef des Unternehmens, Ralf Nagel, in einer Videobotschaft an seine Mitarbeiter, man strebe eine Insolvenz im Schutzschirmverfahren an. Damit wird Thomas Cook Aviation für eine begrenzte Zeit vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt, um sich möglicherweise selbst zu retten oder neue Investoren zu finden. Die Mitarbeiter sollen für die Monate März, April und Mai Insolvenzgeld erhalten, versicherte Nagel nach Angaben von FOCUS. Grund für die Pleite ist offenbar das Ende der Zusammenarbeit mit Condor, dem einzigen Kunden von Thomas Cook Aviation. Condor hat bestätigt, die Verträge mit Thomas Cook Aviation gekündigt zu haben. Thomas Cook Aviation war ursprünglich 2017 aus der Konkursmasse der ebenfalls insolventen Air Berlin als Air Berlin Aviation hervorgegangen.