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FOCUS Ausgabe 43-2020
16.10.2020
Freitags ab 18 Uhr
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Schlamperei beim Verfassungsschutz – Waffen und Munition verschwunden

Berlin. Die Waffenkammer im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins FOCUS offenbar jahrelang fahrlässig geführt worden. Über die Herausgabe von Pistolen und Munition an Mitarbeiter der Behörde fehlten in dienstlichen Unterlagen zahlreiche Angaben. Dies habe eine vom Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) des Deutschen Bundestags angeordnete interne Untersuchung ergeben, so FOCUS. Das geheim tagende Gremium überwacht die Nachrichtendienste des Bundes. Bei der Revision stellte sich heraus, dass in zahlreichen Fällen veraltete oder defekte Waffen ohne das vorgeschriebene Protokoll zur Vernichtung oder Reparatur herausgegeben worden waren. Der Verbleib der Pistolen sei letztlich unbekannt. Auch über die für das Schießtraining verteilte oder verschossene Munition gab es in den Büchern große Lücken, so FOCUS. Mit der Untersuchung beauftragte die BfV-Spitze ausgerechnet den Beamten, der bislang die Waffenkammer geleitet hatte. Waffenträger des Inlandsgeheimdienstes sind in erster Linie 15 Leibwächter, die BfV-Präsident Thomas Haldenwang, leitende Beamte sowie ausländische Besucher des der Bundesbehörde beschützen. Erst kürzlich wurde durch FOCUS-Recherchen bekannt, dass Präsident Haldenwang von einem Bodyguard bewacht wurde, der der rechtsradikalen paramilitärischen Gruppierung „Uniter“ angehört.

30 Prozent der Deutschen hat Angst davor, sich mit Corona anzustecken

Berlin. Weniger als ein Drittel der Deutschen fürchtet persönlich, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Das ergibt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des Nachrichtenmagazins FOCUS (1016 Befragte am 13. und 14. Oktober 2020). Demnach haben 69 Prozent der Befragten keine Angst vor dem Virus, 1 Prozent machte keine Angaben. Unter den über 65-Jährigen ist die Sorge etwas höher, sie haben zu 36 Prozent Sorge davor, sich persönlich zu infizieren.

Starpianist Igor Levit: Keine Hauskonzerte bei einem neuen Lockdown

Berlin. Der Pianist Igor Levit wäre ohne die „Hauskonzerte“, die er ins Netz übertrug, an der Isolierung während des ersten Corona-Lockdowns zerbrochen. „Die Hauskonzerte waren meine Rettung, mein Stabilitätsanker“, sagte Levit in einem langen Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin FOCUS. „Ohne sie hätte ich diese schwere Zeit, körperlich wie mental, nie überstanden.“ Im Falle eines neuen Lockdowns werde er aber nicht in gleicher Weise im Netz präsent sein, sagte Levit: „Es wird kein Copy-and-paste der Hauskonzerte geben, auf keinen Fall.“ Levit bezog im FOCUS-Gespräch auch politisch Stellung und kündigte an, dass er vor der nächsten Bundestagswahl die Partei Die Grünen aktiv unterstützen werde: „Das ist mein Verein!“, sagte er. Er wolle sich allerdings nicht festlegen, ob er als Kanzlerkandidaten Robert Habeck oder Annalena Baerbock präferiert: „Das müssen die beiden unter sich ausmachen.“

Mittelstands-Präsident Ohoven: Keine staatliche Hilfen für Autohersteller, die Verträge mit Zulieferern brechen

Düsseldorf/Berlin. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft BVMW will öffentliche Gelder für Autohersteller an die Bedingung knüpfen, dass die Konzerne fair mit ihren Zulieferern umgehen. Versuche der Autokonzerne, Zulieferer trotz fest vereinbarter Aufträge zu Rabatten zu zwingen, bezeichnet Ohoven als "inakzeptables" Geschäftsgebaren. In einem Brief an Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) regt er an, der Minister möge sich "dafür einsetzen, die Vergabe staatlicher Hilfen für die Hersteller von Automobilen an deren verbindliche Zusage zu knüpfen, dass laufende Verträge mit Zulieferern nicht zu deren Lasten nachverhandelt werden dürfen." BMW rechtfertigt seine dringende Bitte an Zulieferer, nachträgliche Nachlässe zu gewähren, mit den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Unternehmen. "Weil die BMW Group den aktuellen Herausforderungen nicht alleine erfolgreich begegnen kann, halten wir es für angemessen, dass Lieferanten, die aus unserer Sicht dazu in der Lage sind, einen Beitrag leisten", so eine Unternehmenssprecherin. Daimler bezogen zur BVWM-Forderung keine Stellung. VW teilte mit, der Konzern strebe „zu jeder Zeit ein partnerschaftliches Verhältnis mit seinen etwa 40.000 Lieferanten weltweit an", so ein Sprecher. "Aufgrund der im beiderseitigen Interesse sehr engen Geschäftsbeziehungen hat der Volkswagen Konzern kein Interesse daran, Lieferanten wirtschaftlich unter Druck zu setzen.”

Riesenslalom-Spezialist Pinturault: „Parallelslalom ist eine richtig schlechte Disziplin!“- Frankreichs Top-Skirennfahrer Alexis Pinturault ist mit der Arbeit des Weltskiverbandes FIS unzufrieden und schimpft gegen den „echt gefährlichen“ Parallelslalom

Berlin. Kombinations- und Riesenslalom-Spezialist Alexis Pinturault ist unzufrieden mit der Arbeit des Weltskiverbandes FIS. „Natürlich ist es nicht einfach, einen ausgewogenen Renn-Kalender zu bauen“, sagte der französische Skirennfahrer Pinturault in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus. „Aber man muss sich nur mal andere Sportarten anschauen: Die Formel 1 fährt seit Monaten, MotoGP, Tennis, sogar die Tour de France hat stattgefunden. Die FIS hätte also Möglichkeiten gehabt, sich Inspirationen zu holen.“ Besonders kritisch bewertet der 29-jährige Doppelweltmeister und Vize-Olympiasieger den Parallelslalom. „Eine richtig schlechte Disziplin! Allein das Cross-Blocking: Tore mit Fäusten und Unterarmen wegboxen – ein Riesen-Vorteil für große Kerle“, sagte Pinturault dem FOCUS. „Dann ist es auch noch echt gefährlich, erst recht im Parallel-Riesenslalom, wegen der höheren Geschwindigkeit. Wir sind da mit 70 Stundenkilometer unterwegs. Wenn einer stürzt und in den anderen reinkracht, kann er ihm mit den Kanten der Skier das Bein aufschneiden.“ Dies sei nicht das Jahr, um die Kombination zugunsten des Parallelslaloms zu vernachlässigen. Anders als der Parallelslalom sei die Kombination eine Disziplin der Zukunft.

DFB-Präsident Keller: „Bin unzufrieden mit dem bisher Erreichten“ - Nach einem Jahr im Amt ist Fritz Keller unzufrieden mit dem Erreichten und will beim DFB mehr Haltung und mehr ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit verankern

Berlin. DFB-Präsident Fritz Keller hätte in seiner nun gut einjährigen Amtszeit beim Deutschen Fußball-Bund gerne mehr Erfolg gehabt. „Ich bin unzufrieden mit dem, was ich von meinen Zielen beim DFB bisher erreicht habe“, sagte Fritz Keller dem Nachrichtenmagazin FOCUS. Bei der Aufklärung der Sommermärchen-Affäre um die verschwundenen 6,7 Millionen Euro sei der Deutsche Fußball-Bund zwar weiter vorangekommen. „Wir müssen aber bei den Reformen insgesamt in der Geschwindigkeit zunehmen“, sagte der 63-jährige Freiburger Keller. Fritz Keller sieht seine Aufgabe vor allem auch darin, darauf hinzuwirken, dass der DFB Haltung zeigt und sich Themen der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit zuwendet. Der DFB dürfe aber weder populistisch werden, noch dürfe er für die Politik spielen. „Wir dürfen keine Angst haben, auch mal eine unbequeme Rolle zu übernehmen.“ Dazu gehöre laut Keller auch, dass sich die Spieler öffentlich politisch äußern können. „Es kann nicht sein, dass der DFB ein Banner gegen Rassismus im Stadion aufhängt und die Spieler sich im gleichen Moment nicht antirassistisch positionieren dürfen“, sagte Keller dem FOCUS. Die Kommission „Gesellschaftliche Verantwortung“ arbeitet dazu bereits Vorgehensweisen aus. „Wir müssen das 1:0-Denken überwinden und uns an mittel- und langfristigen Zielen orientieren“, fordert Winzer Keller im FOCUS. „Das kennt man, wenn man aus der Landwirtschaft kommt.“

Ärztliche Schlichtungsstelle vor dem Aus

Berlin. Eine Institution des deutschen Gesundheitswesens steht vor dem Aus. Die „Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern“ muss, so ein Beschluss des Finanzamts Hannover Nord, mehrere Millionen Euro Umsatzsteuer nachzahlen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins FOCUS droht der Schlichtungsstelle, die seit 1976 in Fragen der Arzthaftung zwischen Patienten und Medizinern vermittelt, damit die Auflösung. Dass über mehrere Jahre keine Umsatzsteuer gezahlt worden sei, sei lange „unentdeckt“ geblieben, sagt Geschäftsführer Andreas Dohm dem Focus. Der Bundesfinanzminister, klagt Günther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer, bereichere sich an der „Not der Patienten“. Jedes Jahr wird die Schlichtungsstelle, die von zehn Landesärztekammern finanziert wird, bei etwa 4000 Streitfällen angerufen.