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FOCUS Ausgabe 34-2018
17.08.2018
Freitags ab 18 Uhr
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Anlegeranwalt Tilp vermutet Untreue, sollte VW nicht gegen Stadler vorgehen

Berlin. Rechtsanwalt Andreas Tilp, der ab dem 10. September in Braunschweig VW-Aktionäre im Kapitalanleger-Musterverfahren vertritt, sieht Vorstand und Aufsichtsrat von VW und Audi in der Pflicht, um Ansprüche der Unternehmen gegen den inhaftierten Audi-Chef Rupert Stadler zu sichern.

Dem Vernehmen nach vereinbarte VW mit Stadler keinen sogenannten „Verzicht auf die Einrede der Verjährung“. Damit würden Ansprüche, die auf ein Fehlverhalten Stadlers 2008 zurückgehen, spätestens Ende des Jahres hinfällig, im nächsten Jahr dann Schäden, die 2009 entstanden.

Stadler ist seit 2007 Audi-Vorstandschef und wurde möglicherweise frühzeitig über Entwicklung und Einsatz der Diesel-Schummelsoftware informiert. Nach Tilps Ansicht sind Vorstand und Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen: „Leiten sie keine verjährungshemmenden Maßnahmen ein, machen sie sich unter Umständen der versuchten Untreue schuldig.“

Der Prozessfinanzierer MyRight, der 10.000 Besitzer von Diesel-Audi vertritt, erhofft sich währenddessen aus dem Braunschweiger Kapitalanleger-Verfahren nützliche Informationen, um eigene Ansprüche gegenüber Audi-Händlern oder dem Hersteller geltend zu machen. Interessant sei vor allem, „wer zu welchem Zeitpunkt Kenntnis von dem Einbau der verbotenen Abschalteinrichtungen hatte“, sagte Anwalt Christopher Rother zu Focus. „Die Kenntnis der verantwortlichen Mitarbeiter müssen sich VW bzw. Audi in den von Kunden angestrengten Schadensersatzprozessen zurechnen lassen.“

Wirtschaftsvertreter kritisieren Altmaiers Energiepolitik

Berlin. Führende Wirtschaftsvertreter kritisieren Energiewende-Minister Peter Altmaier (CDU) und dessen Vorschlag, mit einem Aktionsplan den Stromnetzausbau zu beschleunigen. „Der Aktionsplan des Bundeswirtschaftsministers gibt leider nicht die notwendigen Antworten auf die offenen Fragen die es beim Netzausbau gibt. Es bleibt bei allgemeinen Ankündigungen“, sagt Hildegard Müller, Vorstandsmitglied beim Energieversorger Innogy. Gerhard Holtmeier, Vorstandsvorsitzender der Gasag Berlin, sieht den energiepolitischen Kurs der Bundesregierung grundsätzlich kritisch. „Die Fixierung von Teilen der Politik auf grünen Strom greift zu kurz und ist unbezahlbar.“

Geschäftsführender Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef über Ex-Manager: abgehauen wie beleidigte Kinder

Markus Grolms widerspricht der These, aktivistische Investoren und die Krupp-Stiftung hätten die Arbeit von Ex-Vorstandschef Hiesinger und Ex-Aufsichtsratschef Lehner unmöglich gemacht. Die Arbeitnehmer seien offen für Umstrukturierungen.

Berlin. Markus Grolms, Beauftragter der IG Metall für Thyssenkrupp und als Aufsichtsrats-Vize derzeit Oberaufseher des Unternehmens, äußerte sein Unverständnis über den Abgang von Ex-Vorstandschef Heinrich Hiesinger und Ex-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. „Ein Vorstandsvorsitzender kann einem schon einmal abhandenkommen“, sagte er zu Focus. „Aber dass kurz danach der Aufsichtsratsvorsitzende sagt: Ich bin jetzt mal weg – das hat mich schon enttäuscht und auch geärgert.“ Die 160.000 Mitarbeiter würden darauf vertrauen, dass die Führungskräfte alles für die Firma tun. „Dass jemand wie ein beleidigtes Kind abhaut, nur weil es mal eine Auseinandersetzung mit einem Teil der Eigentümer gibt, kann ich nicht nachvollziehen.“

Der Auffassung, die aktivistischen Investoren Elliott und Cevian Capital hätten die Manager in die Flucht geschlagen, widersprach Grolms: „Elliott und Cevian haben das Unternehmen doch nicht geführt. Bei Thyssenkrupp gibt es unbestritten handfeste Probleme, die gelöst werden müssen.“

In der Vergangenheit wurde wiederholt über eine Zerschlagung des Konzerns spekuliert. Die Arbeitnehmerseite sei offen für Veränderungen, so Grolms. „Für uns ist keine Organisationsstruktur sakrosankt“, betonte der Gewerkschafter. „Der Konzern hat – letztlich mit Zustimmung der Arbeitnehmerseite – in den vergangenen sieben Jahren ein Dutzend Unternehmen mit fast 70.000 Beschäftigten verkauft.“ Er wende sich lediglich gegen eine „Verwertungslogik, also den Verkauf wertvoller Teile, um eine Sonderausschüttung für die Aktionäre finanzieren zu können“.

Unionsfraktion gegen direkte Türkei-Hilfen

Berlin. In der Debatte um mögliche Hilfen für die Türkei lehnt die Unionsfraktion im Bundestag finanzielle Unterstützung für das Land ab. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte der CDU-Außenpolitiker Andreas Nick: „Ein europäisches Hilfspaket für die Türkei kann ich mir nicht vorstellen. Die Türkei ist weder Mitglied der EU noch der Eurozone. Und mit dem IWF gäbe es eine zuständige Institution als Ansprechpartner, die mit der Türkei entsprechende Erfahrungen hat.“

Nick sieht die Europäer in einer vermittelnden Rolle zwischen Ankara und Washington. „Als Europäer sollten wir darauf hinwirken, dass die Türkei im Ernstfall Hilfen des IWF nicht aus politischen Gründen ablehnt“, sagte Nick. „Wenn Erdogan stattdessen Russland oder China um Hilfe bittet, würde das die Entfremdung vom Westen weiter beschleunigen.“

Professoren gründen liberale Bewegung/ Kritik an FDP

Berlin. Eine Gruppe von zehn Professoren schließt sich zu einer neuen liberalen Bewegung zusammen, um einen Kontrapunkt zu Populisten von links und rechts zu setzen. Die Initiative, die den Namen „Vertrauen in die liberale Gesellschaft“ trägt, versteht sich als Gegenpol zur linken Gruppierung „Aufstehen“ von Sahra Wagenknecht sowie zu Alexander Gaulands AfD. Initiator Werner Bruns von der Universität zu Köln sagte dem Nachrichtenmagazin Focus: „Eine Bewegung für den Liberalismus war noch nie so nötig wie heute. Liberale Kräfte haben es in Zeiten von Populismus, Intoleranz, Terror und Politikverdrossenheit immer schwerer.“

Die neue Bewegung übt auch Kritik an der FDP. „Die Partei hat sich auf einige wenige Themen verengt“, kritisiert Mitgründer Martin Wortmann, Präsident der Rheinischen Fachhochschule Köln. Der Sozialwissenschaftler, der sich kommunalpolitisch für die FDP engagiert, fordert seine Partei auf, sich vom Leistungsgedanken zu lösen. „Was, wenn jemand arbeitslos ist oder wenig Geld hat?“, sagte Wortmann. Für diese Menschen mache die FDP unter Führung von Christian Lindner kaum Angebote. Die Partei müsse sich breiter aufstellen.

Die Initiatoren wollen weitere Professoren und Studierende für ihre Sache gewinnen. Die Bewegung soll parteiübergreifend agieren und mit Union, SPD, Grünen und FDP ins Gespräch kommen. „Wir werden auf die Parteien zugehen und Diskussionen organisieren“, kündigt Bruns an.

Experte fordert Uli Hoeneß auf, in E-Sport zu investieren/Millionengeschäft in Deutschland

Berlin. Der Gründer und CEO des weltweit größten E-Sport-Unternehmens „ESL“, Ralf Reichert, fordert Bayern-Präsident Uli Hoeneß (66) auf, endlich in E-Sport zu investieren. „Ich empfehle ihm, in diesen Markt einzusteigen“, sagt der 43-Jährige dem Nachrichtenmagazin Focus.

Viele Bundesliga-Vereine sind längst an diesem Millionengeschäft beteiligt. Schalke 04 stellt bereits seit 2016 ein eigenes „League of Legends“-Team. Der VfL Wolfsburg bezahlt Gamer in der Fußball-Simulation „Fifa“. Auch der VfB Stuttgart, RB Leipzig, Bayer 04 Leverkusen, Eintracht Frankfurt, FC Augsburg und Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, Mainz 05, der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der 1. FC Köln haben professionelle Zocker unter Vertrag.

Trotzdem hält Hoeneß vom Geschäftsmodell E-Sport nichts: „Das ist totaler Schwachsinn.“ Die Gründung einer eigenen Abteilung beim deutschen Rekordmeister hat er ausdrücklich verboten und verzichtet damit auf die Erschließung der gewaltigen E-Sport-Märkte in den USA und China. Reichert kann das nicht verstehen. „Aber ich bezweifle, dass er auf mich hören wird.“

Turniere in Spielen wie „League of Legends“, „Fifa18“ oder „Dota2“ füllen längst Fußballarenen und locken Millionen Fans auf Streaming-Portale. Fast 22 Millionen Stunden schauten Gaming-Fans allein im Juli 2018 auf Twitch „League of Legends“-Live-Übertragungen.

2016 lagen die weltweiten E-Sport-Umsätze bei 493 Millionen US-Dollar. In diesem Jahr werden sie laut Experten-Prognosen 906 Millionen US-Dollar erreichen. In Deutschland wächst die Branche von etwa 50 Millionen Euro im Jahr 2016 auf voraussichtlich 90 Millionen Euro Marktvolumen an.

Mehrheit der Deutschen lehnt internationale Hilfe für die Türkei ab

Berlin. Die Deutschen lehnen eine Hilfe für die Türkei durch die internationale Gemeinschaft mehrheitlich ab. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid für das Nachrichtenmagazin Focus (1002 Befragte am 14. und 15. August 2018).

Demnach lehnen 59 Prozent der Bundesbürger internationale Hilfe für die Türkei ab, während 32 Prozent der Befragten sie begrüßen würden. Am höchsten ist die Ablehnung mit 80 Prozent unter den Anhängern der FDP, gefolgt von AfD- (74 Prozent) und Unionsanhängern (64 Prozent), SPD und Linke (je 59 Prozent) und Grüne (52 Prozent).

Die Fragestellung lautete: „Die Türkei steht vor einer Wirtschaftskrise. Sollte die internationale Gemeinschaft der Türkei helfen?“

Bundestagsabgeordnete sprechen mehr über Flüchtlinge als über Digitalisierung – Bär: „Digitalisierung muss Top-Thema sein“

Berlin. Das Thema Digitalisierung spielt in den Bundestagsdebatten der aktuellen Legislaturperiode bislang eher eine untergeordnete Rolle. Das geht aus einer Analyse des Weiterbildungsunternehmens WBS hervor, über die das Nachrichtenmagazin Focus berichtet. Demnach haben die 709 Parlamentarier die Digitalisierung seit dem 24. Oktober 2017 insgesamt 2259-mal direkt angesprochen. Im selben Zeitraum fielen die Begriffe „Flüchtling“ und „Migrant“ mehr als 3600-mal.

Die Oppositionsparteien im Bundestag thematisierten die Digitalisierung häufiger als die Regierungsparteien CDU, CSU und SPD. Wortführerin war die FDP: Die meisten Beiträge (583) stammten von Abgeordneten der Freien Demokraten. Dahinter folgen CDU und Grüne. Am seltensten wurde das Thema von Die Linke (185), AfD (116) und CSU (100) angesprochen.

„Digitalisierung muss das Top-Thema in Deutschland sein. Nicht nur in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft, an den Schulen und im Ehrenamt, sondern ganz besonders in der Herzkammer unserer Demokratie, im Deutschen Bundestag“, sagte die Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär (CSU), gegenüber Focus.

Für die Auswertung hatte WBS Plenarprotokolle, kleine Anfragen und Social-Media-Beiträge der Abgeordneten untersucht.