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FOCUS Ausgabe 35-2016
26.08.2016
Freitags ab 18 Uhr
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Kündigung der Lieferbeziehungen an Car Trim ohne Begründung

Berlin. Volkswagen und Porsche haben ihre Lieferbeziehungen mit dem Sitzbezughersteller Car Trim der Prevent-Gruppe anscheinend ohne jede Begründung beendet. Dies geht aus zwei Schreiben vom 28. Juni hervor, die dem Nachrichtenmagazin Focus vorliegen. Darin beenden die beiden Autohersteller eine Reihe von Verträgen in der Form einer knappen Notiz ohne Verweis auf vorherige Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit.

Vertreter der Prevent-Gruppe hatten als Begründung für ihren Lieferstopp an VW angeführt, der Hersteller habe sich aus der Zusammenarbeit verabschiedet, um im Nachgang der Dieselaffäre Kosten zu sparen. Dadurch sei Car Trim, das für Entwicklungsarbeiten in Vorleistung gegangen sei, über 50 Millionen Euro Schaden entstanden.

Bahn startet Sicherheitsoffensive und bildet 500 robuste Sicherheitskräfte aus

Berlin. Die Deutsche Bahn startet eine Sicherheitsoffensive. Mit Geräuschdetektoren und Bodensensoren und noch mehr Videokameras will die DB jetzt ihre Bahn- und Betriebshöfe sowie Gleisabstellanlagen gegen zunehmende Graffitisprayer, Einbrecher und Vandalismus schützen. „Wir setzen mehr moderne Technik ein, weil die Schäden an Zügen und Gebäuden so hoch sind“, begründete DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke im Nachrichtenmagazin Focus die Sicherheitsoffensive. Schon drei Detektoren mit Geräuscherkennung von Schritten auf Schotter, Kratzen an Scheiben oder Schütteln von Spraydosen könnten demnächst in Berlin eine Fußballfeld große Gleisabstellanlage überwachen.

Die Beschädigungen an Zügen und Gebäuden machen laut neuesten DB-Angaben gut 50 Millionen Euro jährlich aus, berichtet Focus. Allein die Schäden durch Graffititäter stiegen bis Mitte 2016 auf rund 4,7 Millionen Euro. Das sei ein Zuwachs von 0,4 Millionen zum Vorjahreszeitraum. Damit dürfte der Jahresschaden 2016 die bisherige Summe von neun Millionen Euro übersteigen. Allein in Berlin stellten DB-Sicherheitskräfte 100 Täter pro Jahr.

Wegen der akuten Gefährdungslage will die Bahn zudem ihr Personal bei der DB-Sicherheit (3.700 Mitarbeiter) um fast 14 Prozent aufstocken. „Wir starten eine breite Schulungsoffensive und werden weitere 500 körperlich robuste Sicherheitskräfte einstellen“, kündigte Rischke gegenüber Focus an. Nach seinen Angaben stieg die körperliche Gewalt gegen DB-Mitarbeiter bis Juni dieses Jahres um 10 Prozent. Im ersten Quartal gab es dabei sogar fünf Tötungsversuche.

Neuer Streit um deutsche Kriegsschuld

Berlin. Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) weist eine Athener Forderung nach Rückzahlung einer Zwangsanleihe aus der Besatzungszeit als „haltlos und nicht belegt“ zurück. Dabei geht es um mittlerweile zehn Milliarden Euro, wie eine Athener Sonderkommission errechnete. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Focus.

Willsch stützt sich auf Erkenntnisse des Historikers Heinz Richter und eigene Nachforschungen im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin. Dort liege ein Bericht eines Reichsbank-Direktors. Dieser habe Besatzungskosten zusammengerechnet, die später von den Griechen zu einem Kredit umgedeutet worden seien: „Bei den 476 Millionen Reichsmark handelt es sich quasi um eine von deutscher Seite aufgestellte ‚offene Rechnung‘, die die griechische Seite aber nie stellte.“ Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat kürzlich angekündigt, auf Reparationszahlungen zu beharren.

Schalkes neuer Sportvorstand Christian Heidel plant Radikalreformen bei den Knappen

Berlin. Schalkes neuer Sportvorstand Christian Heidel, 53, will den Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet herausführen aus einer eher pessimistischen Stimmung. „Leider werden bei Schalke immer erst die negativen Dinge betrachtet. Typisch Schalke eben. Hier wird aus jeder Mücke ein öffentlicher Elefant. Passt ja zum Image. Diese Sichtweise erschwert es zweifellos, Erfolg zu haben“, sagte Heidel im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus.

Der vom FSV Mainz 05 gekommene Sportmanager hat als eine seiner ersten Amtshandlungen die Arbeitsbedingungen vor Ort entscheidend verändert. „Acht Trainer arbeiteten bisher in einem 25 Quadratmeter großen Raum. Es gab keine innovative Kommunikationstechnik, keine heutzutage dringend notwendigen Möglichkeiten für Spielanalyse, Leistungsdiagnostik und Belastungssteuerung. Dabei erledigen Trainer heute den größten Teil ihrer Arbeit im Büro: vor und nach dem Training“, erklärt Heidel. Er hat nun beispielsweise Wände herausreißen lassen, um den Coaches mehr Raum und Platz zu bieten.

Verbessern möchte Heidel vor allem auch den Draht zwischen Verein und Fans – da sei die Distanz mittlerweile einfach zu groß geworden. Im Focus-Interview nennt er ein Beispiel: „Hier unter uns im Erdgeschoss der Geschäftsstelle gibt es ‚Charly’s Schalker‘. Als ich das erste Mal in diese Kneipe bin, haben die Leute mich angeschaut, als sei ich eine Erscheinung. ‚Das ist doch hier für Fans.‘ Dann haben wir Fotos gemacht, und alles war gut. Ich liebe es, mittendrin zu sein, und die Menschen spüren schnell, ob man es ehrlich meint.“

Bundesregierung will prüfen, ob auch Frauen zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden können

Berlin. Die schwarz-rote Bundesregierung überlegt, die Verfassung zu ändern, so dass in Krisensituationen künftig auch Frauen zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden könnten. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus regt das Konzept für die zivile Notfallvorsorge, das die Regierung am Mittwoch verabschiedet hat, eine Prüfung des Grundgesetzes an.

In Artikel 12 a heißt es bisher: „Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.“ Frauen kann der Staat bei Notlagen im Verteidigungsfall lediglich zum Einsatz im Gesundheitsbereich heranziehen. „Sie dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden“, hält das Grundgesetz fest. „Es ist zu prüfen, inwieweit diese Regelungen noch sachgerecht sind“, heißt es nun im Konzept der Bundesregierung.

Günter Krings (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sagt dazu: „Sinn und Zweck einer solchen Konzeption ist es, alle verfassungsrechtlich möglichen Szenarien der zivilen Verteidigung durchzuplanen.“ Es gebe „keinerlei Pläne, die Aussetzung der Wehrpflicht rückgängig zu machen“. Überlegungen, Frauen zum Dienst mit der Waffe zu verpflichten, seien insofern „doppelt hypothetisch“.

Hintergrund: Seit fünf Jahren ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt. Sie müsste reaktiviert werden. Einige Unionspolitiker plädieren dafür. Für eine Grundgesetzänderung mit dem Ziel, im Ernstfall auch Frauen heranzuziehen, wäre eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag und im Bundesrat nötig.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen will weder Wasser noch Lebensmittel bunkern

Berlin. Die Mehrheit der Deutschen will sich nicht nach den Empfehlungen des Bundesinnenministeriums richten und wird daher weder Lebensmittel noch Wasser im empfohlenen Maße bevorraten. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus. Demnach werden 61 Prozent der Bundesbürger keine Vorräte anlegen, lediglich 37 Prozent wollen sich entsprechend bevorraten.

Das Innenministerium rät für den Fall einer Katastrophe oder eines bewaffneten Angriffs dazu, pro Person Trinkwasser für fünf Tage und Lebensmittel für zehn Tage einzulagern.

Hintergrund: TNS Emnid befragte insgesamt 1002 Personen am 23. und 24. August 2016. Die Fragestellung lautete: „Das Bundesinnenministerium plant eine Empfehlung, nach der jeder Haushalt zur Erstversorgung im Falle einer Katastrophe oder eines bewaffneten Angriffs Trinkwasser für fünf Tage und Nahrung für zehn Tage vorhalten soll. Werden Sie sich danach richten und entsprechende Vorräte anlegen?“ Antwortmöglichkeiten: „Ja“, „nein“, „weiß nicht, keine Angabe“.

Edelstifte galten als Grundbedarf für Abgeordnete

Berlin. Edle Schreibgeräte der Marke Montblanc für Bundestagsabgeordnete erfüllten nach Auffassung der Bundestagsverwaltung offenbar ein Grundbedürfnis der Parlamentarier. Nach Angaben der Firma, die früher die Abgeordneten mit Büromaterial versorgte, waren die Stifte „im Rahmen des als ‚Grundsortiment‘ definierten Leistungsverzeichnisses“ enthalten. Sie hätten damit ganz offensichtlich das dargestellt, „was der Deutsche Bundestag haushaltsrechtlich als notwendige Grundbüroausstattung jedes Abgeordneten, mithin als Grundbedarf“ angesehen habe, erklärte die Firma auf Focus-Anfrage. Der Bundestag hat die Verträge mit dem Unternehmen wegen Differenzen über Abrechnungsmodalitäten inzwischen gekündigt. Seit 2010 dürfen die Luxusschreiber nicht mehr über die Bürokonten abgerechnet werden.

Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung Rörig erhebt schwere Vorwürfe gegen Politik: Es braucht „ernsthaften politischen Willen“, aber „viele sind nur halbherzig dabei“

Berlin. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig hat schwere Vorwürfe gegen die deutsche Politik erhoben. Im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus sagte Rörig, schöne Sonntagsreden reichten nicht aus, sondern es brauche „ernsthaften politischen Willen“, ein „richtiges Aufbäumen für das Kindeswohl. Viele sind aber nur halbherzig dabei.“ Es gebe, so Rörig, viele Abwehrmechanismen bei dem Thema. Die insgesamt inadäquate Reaktion von Politik und Gesellschaft mache ihn wütend. Rörig zu Focus: „Da frage ich mich manchmal, ob die denken: Wir haben ja den Typen eingesetzt, der kümmert sich schon. Aber ich bin nicht das Feigenblatt der Regierung.“ Immerhin gehe es in Deutschland um den Schutz von 13 Millionen Kindern.

Besonders verärgert zeigte sich Rörig, dass noch immer kein Vorschlag zur Reform des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) vorliegt, damit Betroffene schneller zu Hilfen kommen. Bei der zuständigen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), habe er „auf persönliche Anfrage bis heute keinen Termin“ erhalten. Rörig zu Focus: „Das Schweigen von Frau Nahles hinterlässt bei mir den Eindruck, als sei ihr nicht besonders daran gelegen, Betroffenen zu helfen. Sie ließ mich aber wissen, die Reform des OEG sei bei ihr in guten Händen. Nun ja, das war im Sommer vor drei Jahren.“