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FOCUS Ausgabe 22-2017
26.05.2017
Freitags ab 18 Uhr
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Starfotograf Mario Testino wünscht sich, dass sich die Besucher seiner Berliner Ausstellung „Undressed“ ausziehen

Berlin. Mario Testino, der mit freizügigen Bildern Prominenter wie Kate Moss, Lady Di, Madonna und Salma Hayek einer der berühmtesten Modefotografen der Welt wurde, bezeichnet sich selbst als „prüden Menschen“: „Ich habe 50 Jahre gebraucht, um einen lässigen Umgang mit Nacktheit zu lernen“, sagt er im Nachrichtenmagazin Focus. „Ich bin sehr prüde erzogen worden, Nacktheit galt als etwas Peinliches, man zeigte sich nicht nackt vor anderen, auch nicht vor Familienmitgliedern.“ Gerade deswegen habe ihn das Thema Unschuld und Versuchung unbekleideter Körper ein Leben lang beschäftigt.

In seiner Ausstellung „Undressed“, ab 3. Juni in der Berliner Newton Stiftung, zeigt der 62-Jährige Bilder aus seiner Fotografen-Karriere, die dieser Frage nachgehen. „Ich hoffe, dass sich die Ausstellungsbesucher als Teil der Inszenierung fühlen“, sagt Testino im Focus. „Vielleicht will sich ja jemand ausziehen?“

IWF für mehr Frauen in der Finanzbranche

Berlin. Der Internationale Währungsfonds (IWF) appelliert an Banken und Finanzdienstleister, mehr Toppositionen mit Frauen zu besetzen. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus erklärte IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian, die Forschung zeige, „dass Frauen bei Geld-Entscheidungen und im Management umsichtiger sind als Männer. Sie wägen Vorteile und Nachteile stärker ab, das haben Tests gezeigt.“ Männer verhielten sich dagegen „etwas impulsiver“, erklärte Adrian gegenüber Focus. Der IWF versuche daher, Karrieren von Frauen deutlich zu fördern. Auf die Frage, ob die nächste Finanzkrise ausfalle, wenn es mehr Frauen in Toppositionen gebe, sagte Adrian: „Lassen Sie es mich so sagen: Sie wird vielleicht etwas unwahrscheinlicher.“

BA-Chef Scheele nennt Teilzeitbeschäftigung eine „Falle“/Bundesregierung soll mehr Geld für Arbeitsförderung bereitstellen

Berlin. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, hat Teilzeitbeschäftigung als mögliche „Falle“ bezeichnet. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus sagte der ehemalige Hamburger SPD-Sozialsenator, Teilzeit könne sinnvoll sein, weil sie helfe, Familie und Beruf zusammenzubringen. „Teilzeit kann aber auch eine Falle sein, wenn man nicht rauskommt.“ Wichtig sei ein gut ausgebautes System der Kinderbetreuung, damit Vollzeitbeschäftigung möglich sei, so Scheele.

Scheele erwartet auch für das kommende Jahr eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Wir sind auch für 2018 optimistisch“, sagte er Focus. Auch der Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung werde 2018 weitergehen. Scheele sieht Chancen, dass in Deutschland Vollbeschäftigung erreicht wird. „Von den drei Prozent Arbeitslosigkeit, ab denen Vollbeschäftigung gilt, sind wir noch weit entfernt“, so Scheele. „Aber man soll niemals nie sagen.“

Für eine verbesserte Vermittlung von Langzeitarbeitslosen fordert Scheele von der Bundesregierung mehr Geld: „Für den kleinen Teil, bei dem eine Vermittlung wirklich schwierig ist, brauchen wir öffentlich geförderte Arbeit. Da ist die Bundesregierung gefragt, denn das wird auch etwas kosten.“

Deutsche Topmanager reisen zu Wirtschaftsgipfel nach St. Petersburg – Deutsche Bank schickt Vizechef Sewing/ Kaeser-Teilnahme noch offen

Berlin. Trotz der weiterhin bestehenden Sanktionen gegen Russland reisen zahlreiche deutsche Topmanager nächste Woche zum St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF). Das meldet das Nachrichtenmagazin Focus. Danach nimmt für die Deutsche Bank der stellvertretende Vorstandschef Christian Sewing an dem Wirtschaftsgipfel teil. Er ist als Diskussionspartner für das Panel „Financial Markets: the End of Globalisation?“ eingeplant. Die Deutsche Bank bestätigte Sewings Teilnahme und erklärte, er wolle in St. Petersburg Kunden treffen. Im vergangenen Jahr hatte Jürgen Fitschen nach seinem Ausscheiden aus dem Bankvorstand am SPIEF teilgenommen.

Wie Focus weiter schreibt, sind auch andere deutsche Großkonzerne prominent auf dem Wirtschaftsgipfel vertreten. So schickt der Softwarehersteller SAP Personalvorstand Stefan Ries. Für Siemens wird unter anderem Technikvorstand Roland Busch vor Ort sein. Wie es in Firmenkreisen hieß, werde auch Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser möglicherweise kurzfristig zum SPIEF reisen. Für den Touristikkonzern TUI hat der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Mangold sein Kommen zugesagt. Das SPIEF findet nächste Woche vom 1. bis 3. Juni statt. Schirmherr der Veranstaltung ist Russlands Präsident Wladimir Putin.

IWF warnt vor schnellen Zinserhöhungen in Europa

Berlin. Trotz zuletzt deutlich gestiegener Inflationsraten warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer baldigen Zinswende in Europa. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus sagte IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian: „Wir sind noch etwas entfernt von einer nachhaltigen Kehrtwende im Inflationsverlauf.“ Der IWF erwarte, dass sich die ausgewiesene Inflationsrate im Euroraum ab Mai wieder abschwächen und „deutlich unter dem Zielwert der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent bleiben wird“. Außerdem sei die Kerninflationsrate mit ungefähr 1,2 Prozent „immer noch sehr niedrig“, sagte Adrian gegenüber Focus: „Wir sehen derzeit noch keine Notwendigkeit, die Zinsen anzuheben.“

Neuer Intendant Reese am Berliner Ensemble: „Theater für hier und heute“/An Brechts einstigem Haus sollen sich die zupackendsten Regisseure an dessen Stücken abarbeiten

Berlin. Oliver Reese, der ab 1. August das renommierte Berliner Ensemble (BE) leiten wird, setzt auf aktuelle Stoffe und zeitgenössische Dramen. „Die Umwälzungen in Europa sollten auch im Theater reflektiert werden“, sagte Reese dem Nachrichtenmagazin Focus. Reese sind unter seinem Vorgänger Claus Peymann, der das Haus 18 Jahre geleitet hat, zu viele Klassiker gespielt worden. Einen davon, Peymans letzte Inszenierung, Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“, will er weiterspielen. Er plant, Autoren zu beauftragen, „in enger Zusammenarbeit mit dem Haus Stücke zu relevanten Themen der Gegenwart zu schreiben.“ Auch seinen Publikumshit in Frankfurt, Tracy Letts’ „Eine Familie“, zeigt er am BE. Und das islamkritische Stück „Geächtet“ von Ayad Akhtar möchte er bringen. Ansonsten viele „unterschiedliche Ästhetiken.“

Der Intendant in spe sagte Focus: „Ein Theater definiert sich durch die Künstler.“ Reese war acht Jahre Leiter des Schauspiel Frankfurts. Er bringt rund 10 Schauspieler mit an das BE, einige direkt aus Frankfurt, einige waren anderswo engagiert und kommen nach Berlin. Peymanns Vorwürfe, er vernichte das Ensemble, kontert er: Ein gutes Drittel des bisherigen Ensembles sei im Rentenalter. Sie können als Gäste arbeiten. Die festen Stellen reserviert er für die Jüngeren.

Klimaforscher lobt China und sieht Trumps Drohungen gelassen

Berlin. Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Ottmar Edenhofer ist der Prozess des Klimaschutzes durch Treibhausgasreduktion keineswegs gestoppt und verspricht durch China sogar neue Fahrt aufzunehmen. Zwar dürfte US-Präsident Donald Trump von den bisherigen Klimaabkommen nichts halten, „aber die Marktkräfte und einzelne Bundesstaaten wie Kalifornien wollen keine Rückkehr zur Kohleverbrennung“, sagt Edenhofer in der neuen, am Samstag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins Focus. Außerdem unternehme China „viel Positives“, lobt der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Peking bekennt sich zum Handel mit Emissionszertifikaten und plant einen weitgehenden Umstieg auf erneuerbare Energien.“

Problematisch sieht Edenhofer hingegen die neuerdings kohlefreundliche Haltung in Ländern wie Indien, Indonesien, Vietnam und auch Ägypten. Auch in Europa kehre die Kohle zurück. Als Grund erkennt Edenhofer ein Versagen des Handelssystems mit Kohlendioxidemissionen. „Die Tonne CO2 kostet nur vier Euro, ein Fünftel des angemessenen Preises.“ Mit einem Mindestpreis ließe sich das System aber „sehr gut reparieren“, fordert Edenhofer im Focus.

AfD-Spitzenkandidatin Weidel zieht mit Familie nach Berlin

Berlin. Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sucht zusammen mit ihrer Lebensgefährtin nach einem Quartier in der Hauptstadt – auch, um den Wahlkampf ihrer Partei in Schwung zu bringen. „Ich werde so bald wie möglich mit meiner Familie nach Berlin ziehen, worauf wir uns schon sehr freuen“, bestätigt Weidel gegenüber Focus. „Dort werde ich für unsere Partei im Mittelpunkt des politischen Geschehens leben und arbeiten, um den etablierten Parteien das Leben durch echte Oppositionsarbeit schwer zu machen.“

Bisher wohnt die Politikerin mit ihrer Lebensgefährtin und Kindern im schweizerischen Biel und in Überlingen in Baden-Württemberg. Die Wirtschaftsberaterin gilt als aussichtsreiche Kandidatin für den Fraktionsvorsitz, sollte es die AfD bei der Wahl am 24. September in den Bundestag schaffen.

Als Kampagnenführerin hatte sie vor kurzem ein Wahlziel von 15 Prozent ausgegeben. Zurzeit steht die AfD in Umfragen bei etwa acht Prozent.

Nordrhein-Westfalen: Neue Koalition aus CDU und FDP könnte schon Anfang Juni stehen

Berlin. Die möglichen Partner einer neuen Regierung in Nordrhein-Westfalen, CDU und FDP, planen Verhandlungen im Blitztempo. Nach Focus-Informationen sollen die Arbeitsgruppen bereits in zwei Wochen konkrete Ergebnisse für einen Koalitionsvertrag vorlegen. Schon Anfang Juni könnte dann der Vertrag für NRW stehen.

Karl-Josef Laumann, als Chef der CDU-Sozialausschüsse ein linker Flügelmann, zeigte sich gegenüber dem Magazin optimistisch, dass Union und Liberale auch in der Sozialpolitik zusammenfinden: „Ich habe den Eindruck, die FDP sieht, dass wir auf eine ausgewogene Lösung der Probleme in NRW hinarbeiten müssen“, sagte Laumann. „Dazu zählt auch Chancengleichheit für die, denen es nicht so gut geht.“ Laumann gehörte zu Zeiten der schwarz-gelben Koalition im Bund zu den heftigsten FDP-Kritikern. „Man muss sich nicht lieben, um zusammen zu regieren“, sagt er nun.

Hintergrund: FDP-Chef Christian Lindner hatte angekündigt, dass er die Parteibasis über einen Koalitionsvertrag mit der CDU abstimmen lassen will.

IWF warnt vor wachsender Unsicherheit in der Weltpolitik – Finanzmarktchef Adrian: Bedenklich, dass Märkte Risiken kaum sehen/ Kritik an Trumps Haushaltspolitik

Berlin. Vor Beginn des G7-Gipfels warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor steigender Unsicherheit in der Weltpolitik und zunehmenden Risiken für die Finanzmärkte. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus erklärte IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian: „Es gibt seit anderthalb Jahren eine stark wachsende Unsicherheit über die künftige politische Entwicklung, gerade in Europa und den USA. Der Freihandel, die Basis für Wachstum und Wohlstand, wird zunehmend infrage gestellt.“

Bedenklich sei dabei, dass die Finanzmärkte daraus entstehende Risiken bislang kaum sehen, erklärte Adrian: „Die Märkte haben sich von den Risiken abgekoppelt.“ Als eine große Unsicherheit bezeichnete der IWF-Finnazmarktchef die Haushaltspolitik von US-Präsident Donald Trump. „Ein Anstieg des Defizits könnte den Dollar stärken, was wiederum die Zinsen schneller ansteigen lassen könnte als angenommen. Das könnte gerade für Länder, die sich in Dollar zu variablen Zinssätzen verschuldet haben, zum Problem werden“, mahnte Adrian gegenüber Focus: „Es ist wichtig, dass die US-Notenbank Fed nicht dazu gezwungen wird, ihre Zinspolitik schneller zu straffen als geplant.“

Ministerin Manuela Schwesig will nach der Wahl familienpolitisch das umsetzen, was „mit der Union nicht zu machen“ gewesen sei

Berlin. Die SPD will in der nächsten Wahlperiode familienpolitisch vor allem die Projekte ins Auge fassen, die in den zurückliegenden Jahren „mit der Union nicht zu machen“ gewesen seien. Dies sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) dem Nachrichtgenmagazin Focus. Sie nannte vor allem den „Ausbau der Ganztagsschulen, die Gebührenfreiheit bei Kitas“ sowie die „Einführung einer Familienarbeitszeit“. Für diese Pläne werde sich ihre Partei „jetzt im Wahlkampf stark machen“, kündigte die SPD-Politikerin an. „Wir setzen auf einen Mix aus Geld, Infrastruktur und mehr Zeit für Familie.“ Und: „Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung und die Möglichkeit, dass Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren können, wenn die Familie sie braucht.“ Familien mit Kindern sollten auch im Steuerrecht künftig bessergestellt sein.

Auch der Vorsitzende der Jungen Gruppe der Unionsabgeordneten, Steffen Bilger (CDU), dringt auf geringere Steuern für Familien. „Ich kämpfe dafür, dass wir im Wahlprogramm eine klare Aussage treffen, dass wir mehr für Familien tun werden“, sagte er dem Magazin. „Steuererleichterungen für kleine und mittlere Einkommen sind wichtig.“ Er setze „auch auf ein Baukindergeld, das jungen Familien den Erwerb von Eigentum erleichtert“. In der Union werden zurzeit unterschiedliche Modelle durchgerechnet. Entscheidungen über die Gestaltung der familienpolitischen Pläne der Union stehen noch aus.

Der Städte- und Gemeindebund warnte unterdessen vor immer neuen Lasten für die Kommunen. „Die Ausgaben für Kinderbetreuung haben sich innerhalb von zehn Jahren von 10,8 Milliarden auf 23,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt“, rechnete Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg vor. „Wenn der Bund die kostenlosen Kindergärten will, muss er die Kosten dauerhaft übernehmen“, forderte Landsberg im Focus.

Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rief im Focus dazu auf, Bildung und Betreuung ins Zentrum der Familienpolitik zu rücken. „Die nächste Bundesregierung sollte vor allem die Betreuungsqualität und Bildungsstandards in Kitas und Kindergärten verbessern.“ Geis’ Forderung: maximal drei Kinder je Erzieher in der Kita und höchstens acht im Kindergarten.

Umfrage: Deutsche würden Bundeshaushalts-Überschuss in Infrastruktur investieren

Berlin. Die Deutschen würden den Milliarden-Überschuss im Bundeshaushalt mehrheitlich in die Infrastruktur des Landes investieren. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für das Nachrichtenmagazin Focus.

Demnach würden 60 Prozent der Befragten den Überschuss im Bundeshaushalt nutzen, um die Infrastruktur des Landes (wie Straßenbau und Schulen) zu stärken, 19 Prozent würden mit dem Geld Steuern senken, 17 Prozent wären dafür, mit den zusätzlichen Milliarden Schulden zurückzuzahlen.

Hintergrund: Emnid befragte am 22. und 23. Mai 2017 insgesamt 1001 Personen. Die Fragestellung lautete: Was soll die Bundesregierung mit dem Milliarden-Überschuss im Bundeshaushalt vorrangig anstellen? Antwortmöglichkeiten: „In Infrastruktur wie Straßenbau und Schulen investieren“, „Steuern senken“, „Schulden zurückzahlen“, „nichts davon“, „weiß nicht, keine Angabe“.

IWF besteht auf Schuldenschnitt für Griechenland – Finanzmarktchef Adrian mahnt Einhaltung der Euro-Defizitregeln an

Berlin. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beharrt trotz jüngster Gespräche weiter auf einem Schuldenschnitt für Griechenland als Bedingung für eine Beteiligung am dritten Hilfspaket. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus sagte IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian: „Das Wachstum ist immerfort sehr schwach.“ Es sei nicht erkennbar, wie Griechenland „ohne spürbare Schuldenerleichterungen aus der Krise kommen soll. Dieser IWF-Standpunkt hat sich nicht verändert.“

Adrian bemängelte zugleich die mangelnde Einhaltung des Euro-Stabilitätspaktes vieler Eurostaaten und forderte mehr finanzpolitische Disziplin. „Es ist ein fundamentales Problem der EU, dass Länder nicht dazu gezwungen werden können, die Staatshaushaltsregeln einzuhalten“, sagte Adrian gegenüber Focus. Er warnte vor ökonomischen Ungleichgewichten über einen längeren Zeitraum, die zu „einer Belastungsprobe für die Eurozone“ werden könnten. „Es wäre daher sehr wünschenswert, wenn die Länder von sich aus rasch wieder die Maastrichter Schulden-Kriterien einhalten würden“, erklärte der IWF-Finanzmarktchef.

Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung: Für umfassende Verteidigungsausgaben „Drei-Prozent-Ziel ins Auge fassen“

Berlin. Der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat dafür geworben, Ausgaben für Sicherheit umfassend zu betrachten und dafür ein Drei-Prozent-Ziel ins Auge zu fassen. Unter dem Stichwort „vernetzte Sicherheit“ habe er sich seit seiner Amtszeit dafür eingesetzt, Ausgaben der Entwicklungshilfe einzubeziehen. „Die Leitidee damals wie heute muss sein: ohne Entwicklung keine Sicherheit. Ohne Sicherheit keine Entwicklung“, sagte Jung dem Nachrichtenmagazin Focus. Man müsse „neben dem rein Militärischen immer auch die humanitären und entwicklungspolitischen Ziele verfolgen“, betonte Jung. Bei diesem umfassenderen Sicherheitsbegriff für die Nato-Mitglieder halte er es für „sinnvoll, ein Drei-Prozent-Ziel ins Auge zu fassen“.

Jung erinnerte: Auf dem Nato-Gipfel in Wales wurde 2014 vereinbart, dass alle Länder versuchen, sich in den folgenden zehn Jahren auf Verteidigungsausgaben von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zuzubewegen. Das habe sich seinerzeit auf „Verteidigungsausgaben insgesamt, also auch zum Beispiel die für Auslandsmissionen“ bezogen, so der CDU-Politiker. „An diese Vereinbarung sollten wir uns halten.“

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion grenzte sich damit von Forderungen aus den Reihen von Grünen und SPD ab, die sich gegen das Zwei-Prozent-Ziel ausgesprochen hatten.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) sagte dem Focus: „Friedenssicherung durch Entwicklungsarbeit ist der beste Weg zu weniger Militärausgaben.“